Thema Übergewicht
Gesundheitliche Relevanz von Übergewicht
Übergewicht stellt inzwischen weltweit und insbesondere auch für die europäischen Länder eine große Herausforderung für den Präventions- und Gesundheitssektor dar. Je nach Region sind 30-80% der erwachsenen Bevölkerung und circa 20 % der Kinder in Europa übergewichtig oder adipös. Wobei Adipositas (starkes Übergewicht) derart stark ansteigt, dass man im Jahr 2010 etwa 150 Millionen Erwachsene und 15 Millionen Kinder betroffen sein werden. Dieser Anstieg verläuft besonders dramatisch für Kinder und Jugendliche. In der Europäischen Region der WHO steigt die Zahl übergewichtiger Kinder jährlich um bis zu 2%. In den 1970er Jahren betrug der durchschnittliche jährliche Zuwachs nur 0,1%.
Typische Folgen von Übergewicht und Adipositas sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus, orthopädische Komplikationen und psychische Störungen. Viele durch Adipositas verursachte Gesundheitsprobleme betreffen nicht nur Erwachsene sondern heute auch vermehrt Kinder. Beispiele hierfür sind hoher Blutdruck, frühe Anzeichen für Arteriosklerose, Typ-2-Diabetes, einfache Fettleber, polyzystisches Ovariensyndrom und Atemstörungen während des Schlafs.
Welche grundlegende gesundheitliche Relevanz Adipositas hat, zeigt eine Studie aus dem Vereinigten Königreich. Sie nimmt an, dass bei Fortsetzung des gegenwärtigen Adipositas-Trends bis zum Jahr 2050 eine um fünf Jahre kürzere Lebenserwartung für Männer zu erwarten ist.
Jenseits ausgeklügelter Ernährungskonzepte und genetischer Ursachenforschung reduziert sich die Ursache für Übergewicht auf eine einfache Formel: Die Menschen nehmen zu viel Energie auf und verbrauchen zuwenig. Oder anders formuliert: Zuviel und zu kalorienreiche Nahrung und zu wenig Bewegung sind die Ursachen für Übergewicht.
Sechs der sieben wichtigsten Risikofaktoren für vorzeitige Todesfälle (Blutdruck, Cholesterinspiegel, Body Mass Index, unzureichender Verzehr von Obst und Gemüse, Bewegungsmangel, übermäßiger Alkoholkonsum) haben in Europa heutzutage damit zu tun, wie wir essen, trinken und uns bewegen (siebter Risikofaktor ist Rauchen). Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige körperliche Bewegung sind bedeutende Faktoren für die Förderung und Erhaltung der Gesundheit.
Diese Problematik von Übergewicht existiert natürlich auch für die Mitgliedsländer der Euregio Maas-Rhein und die Region selbst. Die Raten von Übergewicht und Adipositas liegen für die erwachsene Bevölkerung bei 45 % und mehr. Wobei die Belgier und Niederländer knapp über dieser Marke liegen, während die deutschen Euregio-Gebiete deutlich über 50% liegen. Die deutschen Einschulungskinder (~ 6 Jahre) sind bereits zu etwa 10 % übergewichtig oder adipös. In diesem Bereich liegen auch die Schulneulinge der deutschen Euregio-Gebiete (2006). Der Anteil der Übergewichtigen oder Adipösen unter den 5 Jährigen in den Niederlanden (10 %) bzw. im Euregio-Gebiet Noord- en Midden-Limburg (9 %) liegt ebenfalls in dieser Größenordnung (2002-2004).
Betrachtet man die reinen Adipositaszahlen unter den etwa 6-Jährigen in einigen Regionen der EMR, finden sich ebenfalls Übereinstimmungen. In der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens und den beteiligten Kreisen auf deutscher Seite zeigen sich 3 Gemeinsamkeiten: Es gibt über die Zeit einen kontinuierlichen Anstieg von Adipositas und durchweg sind die Mädchen dieser Altergruppe weniger adipös als die Jungen. Ebenso verzeichnen beide Gebiete deutliche lokale Unterschiede.
Es finden sich allerdings auch Unterschiede, die ggf. gesundheitswissenschaftlich relevant sein können. Für das Einschulungsjahr 2006/2007 der Deutschsprachigen Gemeinschaft waren unter den 6-Jährigen 3,4 % der Jungen und 3,0 % der Mädchen adipös. Diese Werte liegen niedrigerer als bei deutschen Einschülern der Region. Sie liegen im Mittel bei 4,7 % für Mädchen und 5 % für die Jungen. Die Nutzung unterschiedlicher Vergleichskurven in der Deutschsprachigen Gemeinschaft und in NRW-Kreisen kann als Erklärung für die geringeren % Anteile der Jungen mit Adipositas in Frage kommen, erklärt aber nicht die geringeren Adipositasfälle bei den Mädchen.
Übergewicht und Adipositas haben neben gesundheitlichen auch deutliche soziale und ökonomische Aspekte. So finden sich Übergewicht und Adipositas überproportional in niedrigeren Einkommens- und Bildungsschichten. Die volkswirtschaftlichen Kosten in Deutschland des schweren Übergewichts ("Adipositas") werden auf 530 Millionen Euro pro Jahr geschätzt. Berücksichtigt man auch die Begleiterkrankungen, summieren sie sich auf über 5 Milliarden Euro. Es gibt darüber hinaus weniger vorsichtige Schätzungen, die von 20 Milliarden und mehr volkswirtschaftlichem Schaden ausgehen. Bei der Aufstellung direkter und indirekter Krankheitskosten (Allgemeinarztbesuche, Krankenhausbehandlung, Arzneimittel, Bruttoarbeitseinkommen) betragen die jährlichen Mehrkosten für Adipöse (Klasse 1 30>BMI<35) +527€ und für schwer Adipöse (Klasse 2-3 BMI≥35) +3383€ gegenüber Normalgewichtigen.
Für die Euregio Maas-Rhein (3,9 Millionen Einwohner) werden allein die Kosten für Krankheitsfälle als Folge von Übergewicht auf jährlich rund 140 Millionen Euro geschätzt.
Unabhängig davon, ob rein gesundheitliche oder auch gesellschaftliche und ökonomische Aspekte betrachtet werden, ergibt sich ein hoher Bedarf für Maßnahmen zur Verhinderung und Reduktion von Übergewicht. Da eine Ernährungs- und Bewegungssozialisation im Kinder- und Jugendalter stattfindet, sollten Maßnahmen sehr früh ansetzen. Die Zusammenarbeit in der Euregio Maas-Rhein liegt aufgrund der häufig ähnlichen Ursachen und Problemlagen nahe.
Zur Definition:
Der Body-Mass-Index (BMI) ergibt sich aus dem Körpergewicht in kg dividiert durch das Quadrat der Größe in Meter.
Übergewicht: BMI größer als 25
Adipositas: BMI über 30
(vereinfachte BMI-Darstellung für Erwchsene)



